DER BILBAO-SONG
Bertolt Brecht, 1929
Bills Ballhaus in Bilbao
war das schönste auf dem ganzen Kontinent.
Dort gab’s für einen Dollar Krach und Wonne,
und was die Welt ihr Eigen nennt.
Aber wenn Sie da hereingekommen wären,
ich weiß nicht, ob Ihnen so was grad gefällt.
Ach! Brandylachen waren, wo man saß,
auf dem Tanzboden wuchs das Gras
und der rote Mond schien durch das Dach,
’ne Musik gab’s da,
da wurde was geboten für sein Geld!
Joe, mach die Musik von damals nach!
Alter Bilbaomond!
Wo noch die Liebe lohnt…
’s ist toll mit’m Text!
Lang, lang ist’s her!
Ich weiß ja nicht, ob Ihnen so was grad gefällt, doch:
es war das Schönste auf der Welt.
(Auszug)
Ein bisschen Etymologie
Krach/krachen, ahd. krahhon, engl. crack, krachen, brechen, (heiser) schreien, verwandt mit Krähen, Kranich, kreischen, kreißen; lauter Schlag, lautes Klirren, Knall, Lärm, Zank, Streit, Zusammenbruch
Wonne, ahd. wunja, wunna, wunni, Freude, Lust, das Beste und Schönste; mhd Lust, Weideplatz, Futter; die Laubweide, junger Laubzweig, auch Begehren – nach der Begierde, mit der die Tiere junges Laub fressen
Wonne macht also mitunter Krach – die Zweige, wenn sie brechen! -, und Krachmachen kann Wonne zur Folge haben – hurra, endlich ist es raus! Aber nicht lang, dann kracht doch wieder was zusammen, und dann muss sich das Begehren schon wieder neu formieren, auf anderes richten, und dann –
Wie wird die Krähe zum Kranich? Oder lief das andersherum? Oder –