Die Stadtstreicherin atmete, sonst tat sie nichts. Die Geräusche der Stadt waren nichts in diesem Atmen. Sie hörte die Schritte der Männer. Die flüsterten miteinander, sie atmete, sonst nichts.
Ist sie tot, fragte der eine.
Natürlich nicht, der andere seufzte.
Also was ist dann mit ihr, wenn sie nicht tot ist?
Nichts. Sie schläft.
Sonst nichts?
Sie stinkt.
So eine Sauerei. Was machen wir jetzt?
Na was schon. Unsere Arbeit.
Der Atem der Stadtstreicherin verkroch sich hinter den Geräuschen der Stadt, sie wollte nicht einen Schritt weitergehen, sie blieb liegen.
Sie macht was, glaubte einer der Männer zu bemerken.
Der andere hatte Zweifel, was macht so eine schon?
Die Augen auf.
Tatsächlich.
Paß auf!
Verdammt noch mal.
Hat sie dich getroffen?
Und wie! Die spuckt wie ein Lama.
Alles wie immer, stellte der eine fest, er blätterte in Papieren. Wochentag, Uhrzeit, Straße – die funktioniert wie eine Maschine.
Und wie lange, nörgelte der andere, wollen wir das noch überprüfen?
So lange, bis wir ganz sicher sind. So lange, bis wir was finden. Eine Unregelmäßigkeit, eine Abweichung vom Programm. Etwas Menschliches eben. Sie ist schließlich ein Mensch, oder?
Da kicherte die Stadtstreicherin, erst leise, dann lauter, dann tat sie den Männern den Gefallen, sie formte aus dem Kichern ein Lied.
Ist das nicht aus einer Oper? fragte der eine Mann.
Die Sirene eines Krankenwagens verschluckte seine Worte und das kichernde Lied der Stadtstreicherin, ihre Füße zuckten.
Das kommt mir bekannt vor, wiederholte der Mann.
Der andere blieb bei seinen Zweifeln, das kommt dir nur so vor.
Nein, ich bin mir sicher.
Sicher ist nur – die macht sich einen Spaß mit uns.
Wir sind aber noch im Dienst.
Der Atem der Stadt gab der Stadtstreicherin einen Ton, einen nur, der sie trug.
Schläft sie, fragte der eine noch einmal.
Der andere wußte keine Antwort, jedenfalls nicht so genau.
Stinkt sie, fragte daraufhin der eine, der andere witterte, roch nichts, sagte nein.
Nicht ein bißchen? hoffte der eine.
Der andere hatte wieder nicht mehr als ein Nein.
Was dann? Was ist los?
Der andere zuckte die Schultern, sie ist tot, vielleicht.
Sauerei, schimpfte der eine, was machen wir jetzt?