Das Tier, das ich nicht bin

 1

Als es eine Nacht, einen Tag und noch eine Nacht geschneit hatte, als der Schnee den Lärm der Stadt erstickt hatte, als der Fluß noch nicht zugefroren war und es Morgen wurde, als die Schwäne dann umher schwammen, die Ufer sahen und alles dahinter, weiß wie sie selbst, erkannten sie stolz: endlich eine Welt nach ihrem Bild!

Gut möglich, dass sie selbst diese Weißfärberei bewerkstelligt hatten. Und wenn nicht, waren sie jetzt schlimmsten Falls im Paradies.

2

Wenn ich groß bin, heirate ich meine Mama, verdiene ganz viel Geld und kaufe mir ein Ruderboot. Ich werde ein Rockstar, entdecke einen Schatz und manchmal, wenn er nicht weiterweiß, ruft mich der Präsident an. Dann gehen wir eine Pizza essen und denken über alles nach und machen einen Plan. Wenn der Lukas mich ärgert, drück ich bloß auf einen Knopf. Dann wird er verhaftet. Ich werde auch ein Pony haben, und das darf tun, was es will. Auch in der Wohnung. Ich werde auch ein berühmter Forscher und finde heraus, wie es allen Leuten gut geht. Dem Lukas natürlich nicht.

3

Grauweiß das Wasser, schmutzigweiß das Schwangefieder, schneeweiß der Rest der Welt: welch unerwartete Steigerung. Endlich ist es gelungen, die Schwäne wirkten sehr beeindruckt von sich selbst: Wir sind über uns selbst hinausgewachsen, wir haben all das tatsächlich gemacht, ganz allein. Eine Welt, weißer als wir.

Sie schwammen zur Kontrolle am schneebedeckten Ufer entlang, erkannten kilometerweit nur ihr Abbild und waren es zufrieden, wie das Weiß keine Schatten aufwies.

Wie üblich war alles bald verdorben. Hunde pinkelten in den Schnee, Sand färbte den Schnee braun, der Schmutz der Stadt legte sich grauschwarz über alles.

Dann fror der Fluß zu.

Damit wollten die Schwäne nichts zu tun haben.

4

Wenn nicht zu gut, dann auf jeden Fall zu schön für diese Welt. Da muß man den Kopf schon sehr hochhalten und viel übersehen und den Glauben nicht verlieren. Und wem wird schon etwas geschenkt? Aber nie die Hoffnung aufgeben, nie!

Und siehe da, es geschah. Eines Morgens zeigte sich die Welt – weiß wie die Schwäne. Überrascht wirkten sie nicht, nur zufrieden. Schließlich hatten sie etwas in der Art lange schon erwartet. Manche waren der Meinung, all dieses Weiß selbst geschaffen zu haben. Andere schrieben es einem Schöpfer zu, der wohl endlich ein Einsehen gehabt hatte.

Auf jeden Fall war es nun so, wie es sein sollte, sehr weiß schwammen die Schwäne an den schneebedeckten Ufern entlang, mit sich und der Welt im Reinen.

Unmittelbar hinter ihnen schloß sich das Eis über einem Körper, der schon sehr lange tot war.

5

Erbarme dich unser, yippiyeah.