Der Wochenendeinkauf

Man putzt sich heraus dafür, und wie! Die guten Kleider, mit Rüschen, Glitzersteinen, Volants. Die guten Schuhe, gemusterte Strümpfe. Oder Leggings, darin stecken Kinder genauso wie die Oma, abenteuerliche Designs. Die Frisuren wie aus Beton. Und Schmuck natürlich, Ringe, Ketten Ohrgehänge, riesige Broschen.
Zuerst in die Markthalle, Fisch, Fleisch, Gemüse. Gedränge, ohrenbetäubender Lärm, Parfum mischt sich mit dem Geruch so ganz allmählich verwesender Fischabfälle. Vor jedem Stand ein wildes Geknäuel. Aber nein – es gibt eine Reihenfolge, die weiblichen Familienvorstände haben ein strenges Auge darauf. Weil man sich kennt in den wartenden Haufen, wird der Einkauf immer wieder durch einen Schwatz unterbrochen, auch die Verkäufer beteiligen sich daran. Den Männern wird immer noch eine bis oben gefüllte Plastiktüte weitergereicht. Die Kinder zerren an den Mütter- und Großmütterrröcken, quengeln, bis sie doch noch eine Tüte mit Bonbons bekommen, aus einem großen Sack, er steht zwischen Mandarinen, Feigen und Mandeln.
Dann ist es geschafft, alles drängt auf den Platz, Café an Café. Einkaufen macht hungrig und durstig. Fettige Zuckerkringel, gekochte Kartoffeln mit Knoblauch, Schinken in fingerdicken Scheiben, Garnelen in allen Größen. Cola, Limonaden, Bier, oft auch eine Flasche vom hiesigen Wein, das hat man sich jetzt verdient. Frauen sitzen zusammen, auch die Männer sind unter sich, die Kinder halten nicht lange still und wuseln über den Platz. Sehr schwarze Afrikaner schleppen Berge von sehr hässlichen Taschen, andere blitzende Uhren und Schmuck. Sie arbeiten gewissenhaft jeden Tisch ab, niemand kauft etwas. Man stört sich nicht aneinander.
Wer sich weniger zu sagen hat, sitzt in einem Café der Fußgängerzone. Dort ist das Gedränge jetzt so groß wie vorhin in der Markthalle. Man möchte sich zeigen im Sonntagskleid, geht eingehakt mit dem Mann, der ab und zu nach dem Handy greift und telefoniert. In winzigen Trippelschritten die Oma, ein mit Perlen besticktes Jäckchen über der Bluse, alles Ton in Ton. Exakt gedrechselte Löckchen, eine Enkelin links, die andere rechts. Auch sie verschaffen sich Abwechslung mit ihren Handys. Heiß ist es, die Kleider glitzern jetzt auch ohne entsprechenden Besatz, es ist alles aus Plastik.
Die Kinder bekleckern ihre Sonntagskleidchen mit dem Fett aus riesigen Waffeln, die Mütter greifen nach Tüchern zum Wegwischen, die Väter fotografieren die Sprösslinge stolz. Noch einer fotografiert, keine Kinder, sondern Hunde. Zwei führt er an der Leine, ein dritter hat sich unangeleint dazu gesellt. Der Mann fotografiert, wie das weiße pudelartige Tier an der Leine den etwas größeren schwarzen Mischling bespringt. Er oder besser sie hält still, der Pudel rammelt. Es dauert etwas, bis die Passanten oder auch die auf den Bänken bemerken, was hier vor sich geht. Man schaut hin, schaut wieder weg. Schaut wieder hin. Es wird ein klein bisschen stiller. Geschieht das hier wirklich?
Erste Proteste, leise gemurmelt. Der Mann mit den Hunden fotografiert weiter. Man schaut hin, schaut wieder weg. Die Tiere treiben es jetzt direkt vor einer Bank, voll besetzt, zwei ältere Paare. Hinschauen, wegschauen, angeekelt und doch fasziniert. Bis eine der Frauen den fotografierenden Mann anspricht: er soll weitergehen.
Das tut er, zerrt den Pudel an der Leine mit sich, sein Glied ragt rosig, der andere folgt, lässt sich wieder bespringen. Bis zum Ende der Fußgängerzone ist es noch weit.